Seit Jahrtausenden nimmt das Salz einen festen Platz im Leben des Menschen ein. Salz galt als heilig, als Geschenk der Götter; mit Salz wurden Eide besiegelt und Opfer bekräftigt. Salz war auch ein wichtiges Wirtschaftsgut. Eine der glanzvollsten Frühkulturen Europas, die Hallsteitzeit entwickelte sich rund ums Salz - Salzstraßen führten über die Alpen, nach Süden in Richtung Italien, nach Osten auf die Balkanhalbinsel, nach Norden bis an die Ostsee. Wo es Salz gab, da blühten Handel und Verkehr, nahm die Flußschiffahrt zu; Städte wruden reich und mächtig, große Vermögen entstanden. Im Mittelalter war Salz das wichtigste Handelsgut überhaupt.
Alles Salz dieser Erde ist neptunischen Ursprungs - es kommt aus dem Meer. Wie das Salz allerdings ins Meer kam - auf diese alte Frage hat die Wissenschaft mehr als eine Hypothese zur Hand. Einig scheint man sich darüber zu sein, dass, seitdem es Ozeane auf dieser Erde gibt, diese auch Salz führen.
In flachen Meeresbecken mit geringem Wasseraustausch kommt es zu großem Wasserverlust durch Verdunstung. Vorraussetzung dafür ist arides, also trockenes und warmes Klima. Wird dann das Becken durch eine Barre vom Meer abgetrennt, so trocknet es gänzlich aus. Über die verschiedenen Mineralschichten lagert der Wind eine weitere Schicht aus Ton und Mergel ab. Tektonische Verschiebungen der Erdkruste führen in der Folge zu Veränderungen in der Schichtanlage. Das dadurch entstandene Mischgestein - das sogenannte Haselgebirge - enthält zwischen 20 und 70 Prozent Salz.
An "Salzausbissen" (salzhaltiges Gestein, das bis an die Oberfläche reicht) tritt gelegentlich Quellsole zutage, die schon in der Jungsteinzeit von Jägern genutzt wurde.
Der prähistorische Salzbergbau
Hallstatt
ist das älteste Salzbergwerk der Welt. In Hallstatt wurde bereits zu
Beginn des 12. Jahrhunderts v. Chr. mit dem Salzbergbau begonnen. Man
ritzte parallele Rillen ins Haselgebirge und brach das
dazwischenliegende Salzgestein aus dem Berg. Dieses "Hauklein" trug man
in Tragesäcken aus Rinderhaut zu Tage.
Die Blütezeit des Bergbaus in Hallstatt.
Die frühen Bergleute haben im sogenannten "Heidengebirge" viele Geräte und Gebrauchsgegenstände hinterlassen, so dass wir über Gewohnheit und Tätigkeit gut unterrichtet sind. Man fand Hackenspitzen aus Bronze, Steigbäume, Wetzsteine, Butten und vieles andere. Die Beleuchtung erfolgte mit zu Bündeln gebundenen Kienspänen, die wie Fackeln in die Felsspalten geklemmt wurden. Im Haselgebirge schaffte der hallstattzeitliche Hauer einen Vortrieb von etwa einem Meter pro Monat (!).In einem Jahr trug ein Mann etwa 2.000 kg mit einem Kochsalzgehalt von 40 bis 70% zutage. Das entspricht dem Jahresbedarf von rund eintausend Familien.
Die Urnenfelderkultur. Der Mann im Salz.
700 v. Chr. beginnt die eigentliche Hallstattzeit. 1846 entdeckte der Bergmeister J. G. Ramsauer das Gräberfeld von Hallstatt, welches namensgebend für eine ganze Kultur, die Hallstattkultur, und eine damit verbundene Zeitepoche, die Hallstattzeit wurde. Der Begriff "Urnenfeldkultur" leitet sich aus eben jenen Friedhof-Funden ab. Über den durch das Salz konservierten Leichnam, der am 30. November 1573 im Dürrnberg entdeckt wurde, berichtet die Chronik folgendes:
Wintermonats Anno 1573
Ein schröckliches Ereignis begibt sich
Ein Mann, neun Spannen lang
Mit Fleisch, Bein, Haar und Gewand
Ward' im Dürnberg tief 6300 Schuh
Herausgehaut aus seiner Ruh'
Im Salz geselcht, gelb und hart,
Über Jahrtausende aufgebahrt,
Und wie ein Stockfisch unverwest und breitgeschlagen
Nun gar nach Obertag getragen.
An der Kirch' hingelegt, zu sehen etlich Wochen,
Begann zu faulen und hat bös gerochen
Umsonst hat er für Bischofs Blick verharrt
Und wurde schließlich ungeweiht verscharrt.
(Dückher Chronik, 1666)
Träger der Hallstattkultur waren kriegerische Bauern. Besonders für die Spätzeit ist ein Kriegeradel durch feste Fürstensitze und reich ausgestattete Gräber belegt. Eine der wesentlichen technischen Leistungen der Hallstattzeit war die Einführung des Eisens als Nutzmetall, zunächst meist für Schwertklingen. Aber auch die Bronze und Edelmetalltechnik erreichte einen erstaunlich hohen Stand. Die Tongefäße sind von vorzüglicher Qualität und mit geometrischen Mustern oder gar figuralen Darstellungen verziert. Zwei ausgesprochene Fürstengräber wurden am Dürrnberg bei Hallein geöffnet. Aus einem der beiden stammt das wertvollste Fundobjekt: die berühmte, aus Bronze gefertigte Schnabelkanne, ein technisches Meisterwerk.
Das Steinsalz, das die Geschichte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts in Österreich so sehr geprägt hat, war im Römischen Weltreich vom billigen Meersalz zurückgedrängt worden, so dass die alpinen Salzbergbaue beinahe vollständig zum Erliegen kamen. Die Salzgewinnung Reichenhall, die eindeutig in römischer Tradition stand, war also ohne eigentlichen Bergbau möglich. Salzquellen gab es beispielsweise bei Bad Hall im Sulzbachtal, in Hall bei Admont oder im Halltal bei Mariazell. In all diesen Ortsnamen findet sich "Hall", die keltische Bezeichnung für Salz.
Die Salinen Hallstatt, Ebensee und Ischl konnten ihre Produktion im 17. und 18. Jahrhundert zwar ausweiten, jedoch standen viele Salzbergbaustätten in starker Konkurrenz des Meersalzes und des türkischen "Steinsalzes". So sank in Aussee wie auch in Hall in Tirol die Salzproduktion um ein beträchtliches. Schwere, zum Teil bewaffnete Kämpfe hatte Hallein 1597 und 1611 mit Bayern auszutragen, die dazu führten, dass die Gewinne der Salzburger Produktion im Abnehmerland Bayern verblieben.
Die Armut der Salinenarbeiter wurde sprichwörtlich.
"Die Stadt", schrieb um 1800 Graf Spaur über Hallein, "wo die mit Salzteilen geschwängerte Sole in fünf alten, sehr großen Pfannen gesotten wird, hat in jeder Hinsicht ein äußerst trauriges Aussehen. Der schwarze Dampf, der aus den Salzpfannen emporsteigt, verfinstert das Tageslicht, die Gassen sind eng und die Häuser meistens unansehnlich; auf den blassen Gesichtern der Einwohner (manchen wohlgenährten Brauer, Handelsmann und Beamten ausgenommen), ist Armut und Kummer gezeichnet, und kaum kann man sich durch die Menge der bettelnden Weiber und Kinder durchdrängen, die den Fremden mit Ungestüm verfolgen.
Die Solegewinnung und der Transport des Salzes - Pfanne und Sudhaus
Gewonnen wird das Salz im Berg, erzeugt wird es in der Saline. Bis vor kurzem war Saline gleichbedeutend mit Sudhaus. Der ehrwürdige salinentechnische Ausdruck "das Salz `sieden`" sagt alles über den Arbeitsgang aus. Es geht darum, aus der vollgrädigen Sole das Kochsalz auszuscheiden. Die gesättigte Sole wird in die Pfanne geleitet, einen offenen Behälter mit möglichst großer Oberfläche; dann wird ihr so lange Wärme zugeführt, bis das Wasser verdampft ist und das bloße Salz zurückbleibt. Der größte Teil der Halleiner Produktion verließ die Saline mittels Schiffen entlang der Salzach. Der übliche Schiffstyp war der sogenannte Hallasch, der eine Salzfracht von 15 Tonnen transportieren konnte. Welche erstaunlichen Geschwindigkeiten man erreichte, lässt sich an folgender Strecke ermessen: Für Laufen- Hallein- Laufen (80 km) samt Be- und Entladung nur zwei Tage!
Das 19. Jahrhundert brachte den österreichischen Salinen den Anschluss an das Industriezeitalter. Die großen Brandkatastrophen (Hall in Tirol 1822, Aussee 1827, Ebensee 1835), die den alten Pfannenbestand zerstörten, beschleunigten die Modernisierung. Neben seiner Bedeutung als Genuß- und Konservierungsmittel wurde das Salz nun auch in der Industrie zur Herstellung von Soda, Natriumcarbonat, verwendet.
Das Ende der Donaumonarchie brachte vor allem die Salinen Hallein und Hall in Tirol um ihre natürlichen Absatzgebiete wie Böhmen und Südtirol. Kaum waren die Jahre der Weltwirtschaftskrise überwunden, als der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich die alpenländischen Salinen in ihrer Existenz bedrohten. Mit den gewaltigen Steinsalzbergswerken konnte man nicht konkurrieren. Nur mit Mühe konnten Schließungen verhindert werden.
Im Nachkriegsösterreich gelang es den Salinen, zunächst Gewinne zu erwirtschaften, doch zeigte es sich, dass die historisch gewachsenen Produktionsstätten den Anforderungen der modernen Wirtschaft nicht mehr gewachsen waren. Aus diesem Grund mussten 1965 bis 1967 die Pfannensalinen von Hallstatt und Bad Ischl sowie der Salzbergbau und die Sudhütte von Hall in Tirol stillgelegt werden. Trotz dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde es immer schwieriger, gewinnbringend zu arbeiten. Man ging daran, ein neues Unternehmenskonzept auszuarbeiten. An der Stelle einer kontrollierenden Verwaltung sollte eine entscheidungsorientierte Betriebsführung treten. 1979 war es soweit: Die österreichischen Salinen wurden in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.